Homburg-Lengfurt-Rettersheim-Trennfeld

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Homburg-Lengfurt-Rettersheim-Trennfeld

Ein Kaiser auf der Durchreise

Am 13. Mai 1812 zog Napoleon mit seiner Grande Armée auf dem Weg von Frankfurt nach Würzburg durch Lengfurt und überquerte hier den Main. Sein Aufenthalt war kein überraschendes Ereignis: Die Truppenbewegungen waren bekannt und die Mainquerung bereits lange zuvor vorbereitet worden.

Dass Napoleon in Lengfurt übernachtet habe, gehört dagegen wohl eher ins Reich der später entstandenen Geschichten. Überlieferungen zu seiner Reise sprechen dafür, dass er noch am selben Abend Würzburg erreichte. Für einen längeren Aufenthalt in Lengfurt dürfte bei diesem enormen Tagespensum kaum Zeit geblieben sein. Die Schiffsbrücke über die der Kaiser nebst Gattin übersetzte befand sich in etwa auf Höhe des Zementwerkes. Ein Stein auf dem Kulturweg zwischen Main und Klostersee kennzeichnet den ungefähren Standort.

Eine Brücke für die Armeen Europas

Im März 1813 erhielt der Bauingenieur Müller den Auftrag, bei Lengfurt erneut eine Schiffbrücke über den Main zu errichten. Sie sollte die Bewegung großer Truppenverbände ermöglichen. Der Bau verlief allerdings alles andere als reibungslos. Weil gleichzeitig bei Zell nahe Würzburg eine weitere Brücke entstand, wurde Baumaterial für Lengfurt irrtümlich dort abgeladen. Bohlen, Böcke, Geländerhölzer, Klammern und Schiffsseile mussten anschließend auf dem Wasserweg nach Lengfurt gebracht werden.

Unter großem Zeitdruck arbeiteten Zimmerleute aus Rothenfels, Hafenlohr und Altfeld sowie Arbeiter aus Marktheidenfeld und Lengfurt an der Fertigstellung. Sogar an die Schifffahrt wurde gedacht: Die Brücke erhielt einen Durchlass, der für vorbeifahrende Schiffe geöffnet werden konnte.

Nicht nur Napoleon kam hier vorbei

Nur wenige Monate später bekam die Brücke eine noch größere Bedeutung. Nach der Völkerschlacht bei Leipzig verfolgten die verbündeten Armeen die sich zurückziehenden französischen Truppen. Im November 1813 sollen rund 50.000 russische Soldaten bei Lengfurt den Main überquert haben.

Für die Bevölkerung bedeuteten diese gewaltigen Truppenbewegungen keineswegs ein historisches Schauspiel. Einquartierungen, Versorgungspflichten und Kriegskosten belasteten die Gemeinden schwer. Hinzu kamen Krankheiten. Zwischen Dezember 1813 und Juli 1814 starben in Lengfurt zahlreiche Menschen am sogenannten „Russenfieber“.

Auch die Schiffbrücke überstand diese Zeit nicht unbeschadet. Im strengen Winter 1813/14 fror sie ein. Im Januar 1814 wurden zahlreiche Schiffsleute, Zimmerleute und weitere Arbeiter eingesetzt, um sie aus dem Eis zu befreien. Vergeblich: Treibeis beschädigte die Konstruktion schwer, einzelne Teile wurden vom Main fortgerissen und sollen teilweise erst bei Frankfurt wieder aufgetaucht sein. Im Juli 1814 wurde das verbliebene Material schließlich versteigert.

Napoleon an der Hauswand
Wie aus Geschichte eine Lengfurter Geschichte wurde

Wer am Lengfurter Marktplatz die historischen Napoleon-Darstellungen entdeckt, könnte meinen, sie stammten aus der Zeit des französischen Kaisers. Tatsächlich entstanden sie jedoch erst rund hundert Jahre später.

Als 1914 die Dreifaltigkeitssäule restauriert werden sollte, entstand die Idee, zugleich an Napoleons Durchzug durch die Region zu erinnern. Mit der Gestaltung eines Freskos an prominenter Stelle am Marktplatz wurde schließlich der Münchner Kunstmaler Junghardt befasst.

Der Künstler setzte sich durchaus mit der historischen Überlieferung auseinander. Eine Darstellung Napoleons mit Kutsche, Pferden und Gefolge erschien ihm jedoch für die Hauswand wenig geeignet. Die Figuren wären aus der Entfernung kaum zu erkennen gewesen. Also, so schrieb er sinngemäß, habe er „die Historik abgeschüttelt“ und Napoleon so dargestellt, wie man sich den großen Feldherrn vorstellte: in lebhafter Bewegung, während er sein Heer über den Main dirigiert.

Damit war bereits das erste Fresko weniger historische Momentaufnahme als eine bewusst wirkungsvolle Inszenierung.

Napoleon als früher Werbeträger

Die Darstellung brachte offenbar auch den damaligen Besitzer des Gasthauses „Zum Weißen Ross“, Josef Riedelsberger, auf eine Idee. Er ließ ebenfalls ein Bild an seinem Haus anbringen: einen Schimmel mit dem Hinweis, Napoleon habe hier auf seinem Marsch übernachtet.

Historisch lässt sich diese Übernachtung allerdings nicht belegen. Im Gegenteil: Die überlieferten Reisedaten sprechen dagegen. Auch der Name „Weißes Ross“ war keine Erinnerung an Napoleon, denn er ist bereits für das Jahr 1699 aktenkundig.

Was blieb, war eine bemerkenswert geschickte Werbeidee. Napoleon machte das Gasthaus interessant und aus einem historischen Ereignis wurde zugleich ein Stück frühes Lengfurter Tourismusmarketing.

Vom Wandbild zum Fotomotiv

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Quelle:
Grundlage der Angaben zu historischen Informationen: „Chronik Lengfurt – Ein Schiffer- und Winzerdorf im Wandel der Jahrhunderte“, herausgegeben 2008 vom Markt Triefenstein.

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