Seit über 350 Jahren erinnern die Dreifaltigkeitssäule und das Sebastianifest am ein jahrhundertealtes Gelübde der Lengfurter.
Die mitten auf dem Marktplatz in Lengfurt stehende Dreifaltigkeitssäule ist das Wahrzeichen Lengfurts. Sie wurde von Johann Joseph Edler von Neuff, der wohl bedeutendsten Persönlichkeit aus Lengfurt gestiftet.
Von Neuff wurde aufgrund seiner Verdienste um das „Heilige Römische Reich Deutscher Nationen“ in den erblichen Adelsstand erhoben und siedelte daraufhin nach Wien um. Dies erklärt auch, warum die „Pestsäule“, wie die Dreifaltigkeitssäule im Volksmund auch genannt wird, der Wiener Grabensäule von 1683 nachempfunden ist.
Die Lengfurter Dreifaltigkeitssäule wurde, wie die Sockelinschrift verkündet, am 03.Mai 1778 aufgestellt. 2012 wurde sie aufwendig renoviert und erstrahlt seither wieder in der Farbigkeit und dem Glanz, der ihr einst zugedacht war.
Auf ihrer Spitze zu sehen ist die göttliche Dreieinigkeit im vergoldeten Strahlenkranz. Am Fuß des mit Putten und Wolken verzierten den Obelisken finden sich vier Heiligenfiguren, die nach den Wünschen des Stifters Johann Josef Edler von Neuff ausgewählt wurden:
- Der Hl. Johannes der Täufer, vorne rechts, dargestellt geschürzt mit einem Kamelfell, einem Lamm und dem Kreuzstab.
- Der Hl. Josef als Namenspatrone des Stifters, Mit Jesuskind und Lilie, als Zeichen der Unschuld.
- Sowie die beiden Pestheiligen, die Statue des Heiligen Sebastian durchbohrt von Pfeilen und des Heiligen Rochus dargestellt mit Wunde am Bein und Hund als die beiden Pestheiligen.
Die Pest in Lengfurt
Zwischen Oktober 1612 und März 1613 hatte in Lengfurt die Pest gewütet und 57 Opfer gefordert. Vermutlich wurde damals bereits die sogenannte Sebastiani-Feier mit einer Wallfahrtsprozession nach Maria Buchen verbunden.
Die Dreifaltigkeitssäule ist seither eng mit dem Sebastiani-Verein und dem alljährlichen Sebastiani-Fest verbunden.
Weitere Informationen, über die Ausrüstungsgegenstände, Bilder und Videos finden Sie unter: www.sebastiani-lengfurt.de
Das Sebastiani-Fest wird alljährlich am Wochenende vor oder nach dem Gedenktag des Hl. Sebastian am 20. Januar gefeiert. Es geht zurück auf ein Gelübde der Lengfurter Bevölkerung im Pestjahr 1632. Wieder aufgelebt ist das Fest nach dem Auftreten der Cholera im Jahr 1866. Seit dieser Zeit wird alljährlich, da der Hl. Sebastian Soldat im römischen Heer war, nach festgelegtem militärischem Ablauf das Fest begangen. Mit Böllerschüssen wird die Bevölkerung am Festsonntag um 06:00 Uhr geweckt. Eine Mannschaft (ca. 80 Mann) gekleidet in Gehröcke und Zylinder mit Vorderladergewehren marschiert unter Führung von Offizieren mit Säbel und Schiffshüten zum Festgottesdienst (09:15 Uhr) und zur Andacht (14:00 Uhr) am Nachmittag in die Kirche. Anschließend findet das Exerzieren und Fahnenschwenken auf dem Marktplatz statt. Begleitet wird die Mannschaft von Trommlern sowie der Musikkapelle Lengfurt.
Ablauf nach den Statuten aus dem Jahr 1866
Sowohl die Uniformen als auch der genaue Ablauf des Festes geht auf die Statuten aus dem Jahr 1866 zurück. Damals wurde der Ablauf im Detail niedergeschrieben und bis heute durchgeführt. Uniformen und Ausrüstung wurde natürlich im Laufe der Zeit überarbeitet oder ergänzt. Die Gehröcke zum Beispiel kommen aus einer Zeit als eine Körpergröße von 1,80 Meter als außergewöhnlich groß galt.
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